Schon lange juckte es mich, aber jetzt war die Zeit reif meinen Brennweitenbereich endlich nach unten auszudehnen – ein Ultraweitwinkel-Objektiv musste her! Welche Objektive dabei in die engere Wahl kamen und für welches ich mich dann warum entschieden habe, möchte ich in diesem Artikel berichten. Für meine Kaufentscheidung wühlte ich mich (wie immer) durch unzählige Testberichte, Forenbeiträge und verglich massenhaft Bilder die mit den jeweiligen Objektiven gemacht wurden.
Ausgangslage: Meine kleinste Brennweite erreichte ich bisher mit meinem Tamron 17-50mm/F2,8 (an meiner Sony Alpha 700 mit Crop-Faktor 1,5 entspricht das aufgerundet 26mm an einer Kleinbildkamera). Ich wollte mehr Weitwinkel, aber wie immer auch einen guten Kompromiss in Sachen Schärfe, Verzerrung und Preis. Fischaugen-Objektive fielen von vornherein aus dem Raster, da diese für mich zu wenig Nutzen für den doch sehr hohen Preis haben.
Nachdem ich mir einen groben Überblick über die UWW’s verschafft habe, standen folgende Objektive zur Wahl (Preise lt. Amazon, Stand Heute, sortiert nach Preis):
- Tamron 10-24mm F/3,5-4,5 SP Di II LD ASL IF
(~ 420.-€)
- Sigma 10-20mm F4,0-5,6 EX DC
(~ 430.-€)
- Sony SAL-1118 4,5-5,6 / 11-18mm DT
(~ 650.-€)
- Tokina ATX 2,8/11-16 DX SO/AF
(~ 680.-€)
- Sigma 10-20mm F3,5 EX DC HSM
(~ 690.-€)
- Sigma 8-16mm F4,5-5,6 DC HSM
(~ 710.-€)
- Sigma 12-24mm F4,5-5,6 II DG HSM
(~ 880.-€)
Da so ein UWW ja eine recht spezielle Angelegenheit ist und man es i.d.R. nicht dauernd im Einsatz hat, wollte ich dafür eigentlich nicht so viel Geld ausgeben. Daher waren die Favoriten zu Beginn meiner Entscheidungsreise auch die beiden Günstigsten (das Sigma 10-20/4,0-5,6 und das Tamron 10-24/3,5-4,5). Das Tamron schnitt im direkten Vergleich aber durchweg schlechter ab und wurde oft auf eine Stufe mit dem Sony 11-18/4,5-5,6 gestellt, das (trotz wesentlich höherem Preis) ebenfalls nicht so der Brüller sein soll. Trotz etwas größerem Brennweitenbereich und leichtem Vorteil bei der Lichtstärke konnte das Tamron in Sachen Schärfe nicht so recht mithalten. Nebenbei soll es sich wohl auch anfühlen wie ein Joghurtbecher, das kann ich aber nicht beurteilen.
Während der Recherche zu den beiden günstigen Objektiven wurde mit Verweis auf den doch sehr starken Kompromiss in Sachen Schärfe immer wieder auf die teureren Alternativen verwiesen. Das Tokina 11-16/2,8 wurde in dieser Beziehung durchweg hoch gelobt, allerdings soll es hin und wieder Probleme mit dem Autofokus an Sony Kameras haben. Die Experten vertraten die Meinung, dass es wohl daran liegt, dass Tokina nur dieses eine Objektiv für Sony Kameras anbietet und sie die Technik des Sony AF’s nicht ganz so gut reverse-engineer’d haben, wie z.B. die Leute bei Sigma. Zu erwähnen ist natürlich auch der beste Lichtstärken-Wert im ganzen Vergleichsfeld mit einer durchgängigen Blende von F2,8. Wem es im UWW Bereich also auf Lichtstärke ankommt (z.B. für Konzertfotografie) sollte sich dieses Objektiv ruhig mal näher anschauen. Für mich persönlich spielte die Lichtstärke beim UWW keine so große Rolle (obwohl ich bei all meinen anderen Objektiven sehr darauf achte).
Das Sigma 10-20/3,5 HSM hatte gemischte Bewertungen. Dem HSM Antrieb und der guten Lichtstärke als Pluspunkt, stand eine wohl sehr extreme Serienstreuung in Sachen Fokus gegenüber, die bei diesem Preis aber einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Wem allerdings Lichtstärke und Schärfe wichtiger sind als ein HSM Antrieb, der wäre dann mit dem gleich teuren Tokina wiederum besser beraten, da es die Fokus-Probleme ja bei Beiden geben kann. Allerdings… vom Sigma-Service hört man viel Gutes, vom Tokina-Service eher nicht so.
Das Sigma 12-24/4,5-5,6 HSM als einziges Vollformat-UWW meiner Liste, fiel recht schnell zum einen wegen des sehr hohen Preises und zum anderen wegen der 12mm als kürzeste Brennweite aus dem Raster. An meiner Crop-Kamera wäre es mit 18mm nicht mal mehr so richtig “ultra” und daher nicht das was ich suchte. Erst recht nicht zu dem Preis.
Fehlt noch eins, das Sigma 8-16/4,5-5,6 HSM mit der kürzesten derzeit erhältlichen Brennweite für APS-C Kameras von sagenhaften 8mm (12mm an 1,5 Crop – das verspricht krasse Bildeffekte). Die Testberichte sagen: super im Bereich 8-10mm (auch ohne abzublenden!), gut bis 12mm, etwas schlechter werdend bis 16mm (aber für den Bereich wollte ich das UWW auch nicht haben). Eine gute Schärfe, sehr geringe Verzeichnung (und das sogar bei den extremen 8mm) und so gut wie keine Klagen über Serienstreuung. Eine leichte Vignettierung ist vorhanden, allerdings ist das in der EBV so problemlos zu korrigieren, dass es für mich kein Thema war. Zumal ich einer derjenigen bin, die auch gerne mal nachträglich eine Vignettierung in ein Bild einfügen. Die Verarbeitungsqualität ist top und der HSM Antrieb eine nette Zugabe. Mein Favorit war gefunden. Ich kam zwar wegen des hohen Preises doch nochmal kurz ins grübeln, aber dann siegte der Rebell in mir… dieses Mal keine Kompromisse! Wenn schon UWW, dann verdammt nochmal richtig UWW!
Ein ausführlicher Bericht zum Sigma 8-16/4,5-5,6 und viele UWW-Bilder werden garantiert noch folgen, ich liebe dieses Objektiv jedenfalls jetzt schon! Der Blickwinkel ist unglaublich…

Was gibst Du auf Testberichte und Meinungen aus Blogs und Fotografie-Foren? Auch auf der Suche nach einem UWW, oder schon lange glücklich damit? Meinungen und Erfahrungen können wie immer gerne als Kommentar hinterlassen werden.